Archiv Johann Sebastian Bach

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Choralbearbeitungen Bachs

nach Hymnen von Kornelius Becker, Martin Behm, Zacharias Berwaldt, Kaspar Bienemann, Sigmund von Birken, Ulrich Bogislaus Bonin, Hermann Bonn, Johannes Böschenstein, Georg Friedrich Breithaupt, Franz Joachim Burmeister und Bartholomäus Krasselt/Crasselius.

A. G. B.: Selig, wer an Jesum denkt

Bei AGB denkt jeder Berliner an die „Amerika-Gedenk-Bibliothek“, wer sich allerdings hinter den Initialen des Lieddichters verbirgt, ist noch unbekannt.

 

498

Selig, wer an Jesum denkt

Kornelius Becker (1561 - 1604): Der Herr ist mein getreuer Hirt

Der Leipziger Kornelius Becker war Pfarrer an der Kunigundenkirche in Rochlitz. Dies übrigens eine der ganz wenigen der hl. Kunigunde geweihten Kirchen Mitteldeutschlands! Später wechselte er nach Leipzig, wurde Pfarrer an St. Nikolai und Theologieprofessor an der Leipziger Universität. Er erkannte völlig zu Recht die Unbrauchbarkeit des französischen reformierten Psalters Lobwassers und unternahm es, sämtliche Psalmen des AT in praktikable Hymnen zu fassen. In dem 25 Jahre jüngeren Heinrich Schütz fand er den kongenialen Partner, der die Melodien zu den Psalmliedern schuf. Die Genfer Melodien sind ja völlig unbrauchbar.

Bachs kompositorische Auseinandersetzung mit dem Psalter des Alten Testaments erfolgte in privaten Auftragswerken wie Begräbnismotetten und in den Choralkantaten, die auf Psalmlieder zurückgehen, sowie auf der Komposition von einzelnen Psalmversen in sonstigen Kantaten. Erinnert sei hier an Chöre wie Es wartet alles auf dich, Preise, Jerusalem, den Herrn oder Gott, der Herr ist Sonn und Schild. Psalmchoralkantaten sind die Kantaten 112 Der Herr ist mein getreuer Hirt über eine Paraphrase des 23. Psalms von einem unbekannten Dichter, die Kantate 14 Wär’ Gott nicht mit uns diese Zeit über eine Paraphrase des 124. Psalms und die Kantate 80 Ein feste Burg ist unser Gott über eine Paraphrase von Psalm 46, beide von Martin Luther.

Der recht umfangreiche Becker'sche Psalter ist eigentümlicher Weise nur sporadisch in Bachs Schaffen eingegangen. Außer den beiden hier genannten, zudem textidentischen Strophen finden sich wohl keine Spuren im Werke Bachs. Grund dafür ist wohl die nicht gerade überragende poetische Qualität der Beckerschen Psalmen, bereits Mitte des 17. Jh. wurden sie umgeformt und angepaßt. Ungebrochener Beliebtheit in den Gesangbüchern aller Konfessionen erfeut sich allerdings heute der Beckersche Psalm 190 Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit im Satz von Heinrich Schütz.

 

85.3

Der Herr ist mein getreuer Hirt

 

104.6

Der Herr ist mein getreuer Hirt

Martin Behm

Martin Behm (1557 - 1622) gehört zu der großen Zahl außerordentlich fruchtbarer schlesischer Dichter. Er stammt aus Lauban, der Grenzstadt zwischen Schlesien und der Lausitz, wenige Kilometer östlich von Görlitz. Hier war er auch Pfarrer an der Trinitatiskirche.
Innerhalb des Bachwerkes sei besonders auf die überirdisch schöne Begräbnismusik BWV 118 hingewiesen. Schmieder ordente sie fälschlich unter die Kantaten, wie überhaupt sein BWV voller z.T. schwerer Fehler ist.

 

 

Das walt’ Gott Vater und Gott Sohn

290

Das walt Gott Vater und Gott Sohn

 

 

Herr Jesu Christ, meins Lebens Licht

 

58.5

Ich hab für mir ein schwere Reis

 

118

O Jesu Christ, meins Lebens Licht

750

HErr Jesu Christ, meins Lebens Licht [Kleine Choralfughette nach unbekannter Melodie.]

Zacharias Berwaldt: Ich dank dir schon durch deinen Sohn

Zacharias Berwaldt war Drucker und als solcher Herausgeber des Leipziger Gesangbuchs von 1586. Hier findet sich das möglicher Weise von ihm stammende Lied Ich dank dir schon durch deinen Sohn.

 

349

Ich dank dir schon durch deinen Sohn

Kaspar Bienemann: Herr, wie du willt, so schick’s mit mir

Bienemann war Lutheraner der Konkordien-Observanz aus Nürnberg. Er wirkte an den Höfen von Neuburg, Weimar und Altenburg/Th. Die Anfangsbuchstaben seines Liedes sind ein Akrostichon auf die Herzogin Zu Sachsen.

 

73.1

Herr, wie du willt, so schick’s mit mir

 

156.6

Herr, wie du willt, so schicks mit mir

Sigmund von Birken: Lasset uns mit Jesum ziehen

Sigmund von Birken (1626 - 1681) aus Eger bzw. Nürnberg gehörte als geadelter Dichter zu den berühmtesten Poeten seiner Zeit. Neben Lasset uns mit Jesum ziehen wird heute noch das Passionslied Jesu, deine Passion gesungen, das Bach allerdings nicht vertonte. Wo dieser Text bei Bach auftaucht, stammt er stets aus dem Lied Jesu Leiden, Pein und Tod von Paul Stockmann.

481

Lasset uns mit Jesum ziehen

Ulrich Bogislaus Bonin

Bonin (1682 - 1752) stammte aus dem pommerschen Köslin und dürfte der einzige Pommer sein, den Bach vertonte. Er war Offizier und wirkte später vor allem am reuß’schen Hof in Ebersdorf, unweit der Grenze vbon Bayern und Thüringen.

 

 

Beglückter Stand getreuer Seelen

442

Beglückter Stand getreuer Seelen

 

 

Erwürgtes Lamm, das die verwahrten Siegel

455

Erwürgtes Lamm, das die verwahrten Siegel

Hermann Bonnus

Hermann von Bunnen (latinisiert Bonnus) war ein evangelischer Reformator und erster Superintendent von Lübeck. Er studierte ab 1523 in Wittenberg, anschließend in Greifswald. Er wurde zunächst Prinzenerzieher in Kopenhagen und Gottorf und verfasste in dieser Zeit eine lateinisch-niederdeutsche Grammatik. Sodann wurde Lehrer an der Stadtschule in Treptow an der Rega, wo er Johannes Bugenhagen kennen lernte.

 

407

O wir armen Sünder

Dieses Lied stammt aus dem Bereich der geistlichen Volkslieder.

   

Mein Seel, o Gott, muß loben dich (Magnificat deutsch)

Auch diese schöne Poetisierung des Magnificat taucht als Orgelchoral im Werke Bschs auf.

Johannes Böschenstein: Da Jesus an dem Kreuze stund (Die sieben letzten Worte Christi)

Der Esslinger Böschenstein (1472 -1540) war Professor der Altphilologe. Sein Lied gehört zu den bedeutendsten Passionsliedern, da es in gültigster Weise die sieben Worte Jesu am Kreuz in den Kirchengesang faßt. Das Lied wurde nicht nur von Bach, sondern auch von Schein, Scheidt, Schütz, Eccard, Johann Caspar Ferdinand Fischer, Max Reger und anderen Komponisten vertont bzw. gesetzt.

621

Da Jesus an dem Kreuze stund. Den Choral aus dem Orgelbüchlein nennt Hermann Keller „eine Beweinung Christi, würdig der Passionen Dürers.“

1089

Da Jesus an dem Kreuze stund

Georg Friedrich Breithaupt: O finst’re Nacht, wenn wirst du doch vergehen

Über Breithaupt (um 1700) konnte noch nichts ermittelt werden.

492

O finstre Nacht, wann wirst du doch vergehen

Franz Joachim Burmeister: Es ist genug, so nimm, Herr, meinen Geist

Burmeister war Kirchenmusiker in Rostock. Die Schlußstrophe seines Liedes (1662) Es ist genug! So nimm, Herr, meinen Geist“ setzt Bach an das Ende seiner existentiellesten Kantate O Ewigkeit, du Donnerwort (BWV 60). Diese Kantate, und namentlich ihr Schlußchoral, hat Musikgeschichte geschrieben. Alban Berg nahm den Choral in sein Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“ auf. Die Choralmelodie, transzendierend mit drei Ganztonschritten beginnend, stammt von dem Thüringer Johann Rudolf Ahle. Bach harmonisert und deutet die Strophe in höchst expressiver, dem Detail nachspürender Weise aus.

 

60.5

Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt

Bartholomäus Crasselius (Krasselt): Dir dir, Jehova [o Höchster] will ich singen

Der Glauchauer Krasselt (1667 - 1724) schuf das bedeutendste Lied der Christenheit zum Thema Gebet. Er selbst war Pietist und galt als „unruhiger Geist“. Sein Lied ist allerdings von höchster Schönheit und himmlischer Ruhe. Es widerlegt mit seiner Aufnahme der biblischen Gebetslehre jede Vorstellung, man könne mit anderen Religionen gemeinsam „beten“. Ein Gebet zu Gott kann es nur im Namen Jesu Christi geben.

299

Dir, dir, Jehova will ich singen. Hier handelt es sich um eine Aussetzung von BWV 452.

452

Dir, dir, Jehova will ich singen.

 

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