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Die
Deutsche Messe in Kompositionen Johann Sebastian Bachs
Ein Anliegen der Reformatoren war bekanntlich die Gestaltung
einer einheitlichen „Deutschen Messe“. Trotz
beträchtlicher Anstrengungen konnten sie dieses Ziel jedoch
niemals wirklich erreichen. Ein Grund dafür ist die Tatsache,
daß die Reformation ja letztlich in der Aneignung der kirchlichen
Rechte durch die örtlichen Gewalten bestand. An die Stelle
der Autorität des Papstes und der Bischöfe traten nun hunderte
kirchlicher Behörden, die völlig unabhängig voneinander
in ihren jeweiligen Orts- und Landeskirchen regierten und
Meßordnungen erließen. Unter diesen Umständen
konnte sich eine einheitliche „evangelische“
oder „lutherische“ Messe nicht entwickeln. Trotz
mannigfaltiger Anstrengungen gibt es diese bis heute nicht.
Ein lutherischer Kantor wie Johann Sebastian Bach mußte
sich an jeder Wirkungsstätte, an jedem Gottesdienstort mit
einer neuen Kirchen- und Gottesdienstordnungen vertraut
machen. Spuren davon finden sich in den erhaltenen Aufzeichnungen
Bachs.
Namentlich im konservativen Leipzig war auch 200 Jahre
nach der Reformation die „Messe“, d. h.
der lutherische Hauptgottesdienst noch weitgehend lateinisch.
Dies betraf vor allem die Ordinariums-Teile „Kyrie“,
„Gloria“ und „Sanctus“, sowie bestimmte
Chorgesänge des Propriums. Bach war nicht verpflichtet,
derartige lateinische Stücke zu komponieren, tat es jedoch
gelegentlich zu herausgehobenen Gelegenheiten. Bestimmte
deutsche Ordinariumsgesänge wurden auch von Bach vertont,
teils innerhalb der Kantaten, wo sie wie gewöhnliche Choralstrophen
eingesetzt werden (z.B. „Vater unser im Himmelreich“
und „O Lamm Gottes, unschuldig“), teils innerhalb
der Choräle, wobei nicht wirklich klar zu erkennen ist,
ob und wo diese Gesänge eingesetzt wurden und teils auch
als Orgelwerke.
Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit
Trotz des lateinischen Kyrie in der Thomaskirche existieren
in der „Orgelmesse“ (BWV 669 - 674) und im Choralsatz
BWV 371 Komposition des s.g. „Deutschen Kyrie“,
das um 1537 in Naumburg entstanden ist und bis heute in
Deutschland von lutherischen Gemeinden verwendet wird. Die
großen Rätsel um diese Kompositionen können wir hier nicht
einmal ansprechen, liturgischen Charakter haben die Orgelstücke
gewiß nicht, obwohl es immerhin denkbar sein mag, eine entsprechende
„Orgel-Messe“ zu gestalten, wenngleich eine
solche Messe wohl nicht wirklich eine Messe wäre
... In der Orgelmesse teilt Bach das Kyrie in zweimal
drei Sätze auf Kyrie 1, Christe und Kyrie
2.
Auch der Chorsatz BWV 371 ist rätselhaft, da aller Regel
nach auch in einer „Deutschen Messe“ das Kyrie
entweder im Wechselgesang Chor-Gemeinde (Kyrie eleison -
Herr erbarme dich etc.), oder vollständig von der Gemeinde
gesungen wird. Der Chorsatz ist auf deutsch und lateinisch
überliefert. |
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371 |
Kyrie, Gott Vater
in Ewigkeit |
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669 |
Kyrie, Gott Vater
in Ewigkeit |
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670 |
Christe, aller Welt
Trost |
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671 |
Kyrie, Gott Heiliger
Geist |
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672 |
Kyrie, Gott Vater
in Ewigkeit |
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673 |
Christe, aller Welt
Trost |
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674 |
Kyrie, Gott Heiliger
Geist |
Allein Gott in der Höh’
sei Ehr (Gloria)
von Nikolaus Deeg (Decius)
Deeg (* 1485) stammte aus Franken, wirkte aber zeitlebens
im pommersch-[ost/west]preußischen Raum. Er gehörte zu der
Generation der Zeitgenossen Luthers, die noch katholisch
aufgewachsen sind, dann aber „evangelisch“ wurden.
Er ist der eigentliche Schöpfer der lutherischen Messe,
denn seine Meßgesänge setzten sich sowohl in Deutschland,
als auch dann weltweit durch. Obwohl aus Oberdeutschland
stammend, dichtete Deeg in niederdeutscher Sprache, die
bekannten Textfassungen stellen Übertragungen aus dem Niederdeutschen
ins Hochdeutsche dar.
Gegen das Decius-Lied konnte sich Luthers Glorialied „All
Ehr und Lob soll Gottes sein“ niemals durchsetzen
und verfiel bald der Vergessenheit. Ähnlich erging es seiner
Sanctus-Dichtung „Jesaja, dem Propheten, das geschah“,
die zwar auch in modernen Gesangbüchern auftaucht, aber
liturgisch unbrauchbar ist. Bach hat sie jedenfalls nicht
vertont, da in den Leipziger Gottesdiensten das lateinische
„Sanctus“ gesungen wurde, wenngleich ohne „Osanna“
- ein Problem, das die h-moll-Messe erheblich beeinflussen
sollte. |
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260 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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662 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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663 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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664 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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675 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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676 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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677 |
Fughetta super „Allein Gott
in der Höh’ sei Ehr“ |
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711 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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715 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr |
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716 |
Fuga super „Allein Gott in
der Höh’ sei Ehr“ |
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717 |
Allein Gott in der Höh’ sei
Ehr, manualiter |
Heilig
ist Gott, der Vater
Dies ist der „Sanctus“-Gesang aus der Deutschen
Messe von Nikolaus Deeg. |
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325 |
Heilig, heilig, heilig |
O Lamm Gottes, unschuldig (Dt.
Agnus Dei)
von Nikolaus Deeg
Sowohl „O Lamm Gottes, unschuldig“ als auch
„Christe, du Lamm Gottes“ sind deutsche Meßgesänge, d. h. keine Choräle. Das „Agnus Dëi“ ist
der Meßgesang unmittelbar vor der Austeilung der Kommunion.
Indem Bach ihn im Eingangschorus der Matthäuspassion verwendet,
weist er auf die Opferfunktion Christi in der Heilsgeschichte
bereits im ersten Satz der Passion hin. |
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244. 1 |
Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen |
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401 |
O Lamm Gottes, unschuldig |
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618 |
O Lamm Gottes, unschuldig |
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656 |
O Lamm Gottes, unschuldig |
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1085 |
O Lamm Gottes, unschuldig |
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1095 |
O Lamm Gottes, unschuldig |
Christe, du Lamm
Gottes (Dt. Agnus Dei)
aus Braunschweig, etwa 1528
Auch das „zweite“ überkommene deutsche Agnus
Dei wird von Bach eigentümlicher Weise außerhalb der
Liturgie im figuralen Werk verwendet. Der sehr sakrale Chorus
„Christe, du Lamm Gottes“ findet sich in einer
Fassung der Johannespassion und in der Kantate 23.
BWV 619 aus dem „Orgelbüchlein“ bietet sich
für die Verwendung sub communione an. |
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23. 4 |
Christe, du Lamm Gottes |
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233a |
Kyrie / Christe, du Lamm Gottes. In
diesem Satz wird in höchst eigentümlicher Weise
das Kyrie mit dem Agnus Dei verbunden. |
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619 |
Christe, du Lamm Gottes |
Verleih uns Frieden gnädiglich
(Da pacem Domine)
von Martin Luther
Das „Da pacem Domine“ Luthers, traditionsgemäß
Schlußlied der Messe, liegt in zwei verschiedenen Kantatenchorälen
vor. Die Kantate „Wünschet Jerusalem Glück“
ist nicht erhalten. |
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42.7 |
Verleih uns Frieden gnädiglich |
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126.6 |
Verleih uns Frieden gnädiglich |
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2004 |
Wünschet Jerusalem Glück |
Vater unser im Himmelreich
Als liturgisches Lied darf sicherlich auch Luthers „Vater
unser im Himmelreich“ angesprochen werden. Neben dem
bekannten Choral aus der Johannespassion liegen viele weitere
Vertonungen für Chor bzw. Orgel vor. |
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245.5 |
Dein Will gescheh’, Herr
Gott |
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416 |
Vater unser im Himmelreich |
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636 |
Vater unser im Himmelreich |
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682 |
Vater unser im Himmelreich |
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683 |
Vater unser im Himmelreich |
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737 |
Vater unser im Himmelreich |
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760 |
Vater unser im Himmelreich |
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761 |
Vater unser im Himmelreich |
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762 |
Vater unser im Himmelreich |
Gott sei uns gnädig und barmherzig
Zum Messende wurde auch die Antiphon „Gott sei uns
gnädig und barmherzig“ gesungen, die in den vierstimmigen
Bachchorälen auftaucht (BWV 323). |

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323 |
Gott sei uns gnädig |
Kyrie
eleison! Her Gott, Vater des Himmels (Die Litanei)
Die Litanei, ein langes Wechselgebet, wurde von der lutherischen
Reformation beibehalten, jedoch nicht mehr an die Heiligen
oder die Gottesmutter adressiert. Bach hat die Litanei Luthers
nicht vertont, jedoch in den folgenden drei Sätzen effektvoll
zitiert: |
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18.3 |
Mein Gott, hier wird mein Herze
sein |
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41.5 |
Doch weil der Feind bei Tag und
Nacht |
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120a.7 |
Herr Zebaoth, Herr, unsrer Väter
Gott |
Gott,
der Vater, wohn’ uns bei (Litanei-Lied)
Das nicht mit der Litanei selbst zu verwechselnde Litanei-Lied
Luthers existiert als vierstimmige Choralvertonung. |
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317 |
Gott, der Vater wohn uns bei |
Herr
Gott, dich loben wir (Te Deum laudamus, deutsch)
Das „Te Deum laudamus“ gehört zu den prominentesten
und beliebtesten Gesängen der Kirche. Es wurde von
den Heiligen Augustinus und Ambrosius geschaffen und erklang
stets zu Anlässen, bei denen Lob und Dank gegen Gott
angebracht waren. Weil der Gesang bei Neujahrs- und Ratswechselfeiern
beliebt war, wurde er von Bach vielfach berücksichtigt.
Der Chorus BWV 16. 1 gehört zu den bedeutenden Choralphantasien
Bachs. Auch die Kantate 190 ist eng mit diesem Choral verbunden.
Der Orgelchoral BWV 725 ist insofern interessant, als er
fünf Strophen der Litanei nacheinander berücksichtigt. Keller
verurteilt das Werk: „Trotz vieler Schönheiten läßt
sich aber dieser Satz weder zur Begleitung der Gemeinde
noch als Orgelchoral verwenden.“ |
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16. 1 |
Herr Gott, dich loben wir |
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119. 9 |
Hilf deinem Volk, HErr JEsu CHrist |
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120. 6 |
Nun hilf uns, HErr, den Dienern
dein |
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190 |
Singet dem Herrn ein neues Lied |
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328 |
HErr Gott, dich loben wir |
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725 |
HErr Gott, dich loben wir, per
omnes versus à 5 voci |
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