Archiv Johann Sebastian Bach

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   Inhaltsverzeichnis Bach |     Geistliche Texte

Abschreibfehler in Bachs Vokalwerk

Zur Liste der eigentümlichen Worte bei Bachkantaten

 

Kantate „Am Abend aber desselbigen Sabbaths“

 

In der Arie Nr. 3 vernachlässigt Bach den Reim „sein - ein“

 

Falsch:
Wo zwei und drei versammlet sind
in Jesu teurem Namen,
da stellt sich Jesus mitten ein
und spricht darzu das Amen.

Richtig:
Wo zwei und drei versammlet sein
in Jesu teurem Namen,
da stellt sich Jesus mitten ein
und spricht darzu das Amen.

Kantate  „Christus, der ist mein Leben“

 

Im Schlußchor heißt es bei Bach fälschlich „Dein letztes Wort mein Auffahrt ist“ statt wie richtig „mein höchster Trost dein Auffahrt ist“. Auch dieser Lapsus wird überall übernommen.

Weil du vom Tod erstanden bist,
werd ich im Grab nicht bleiben.
Mein höchster Trost Dein Auffahrt ist,
Todsfurcht kannst du vertreiben.
Denn wo du bist, da komm ich hin,
daß ich stets bei dir leb und bin,
drum fahr ich hin mit Freuden.

Kantate  „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“

 

Bach schreibt in Satz 1 irrtümlich verkündigen statt verkündiget:

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündiget seiner Hände Werk.
Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme höre. Ps. 19, 2

 

 

 

Satz 3 ist unverständlich:

So soll die Christenheit
die Liebe Gottes preisen
und sie an sich erweisen:
Bis in die Ewigkeit
die Himmel frommer Seelen
Gott und sein Lob erzählen.

Vielleicht besser so:

So soll die Christenheit
die Liebe Gottes preisen
und sie an sich erweisen:
Bis in die Ewigkeit
woll'n alle frommen Seelen
Gott und sein Lob erzählen.

Aria „Gedenke doch mein Geist beizeiten“

Diese Arie wurde beim Eintrag in das Notenbüchlein verstümmelt, statt „zurücke“ muß es natürlich „beizeiten“ heißen! Ob sich diese leicht zu erschließende Wahrheit je durchsetzt?

 

Falsch:
Gedenke doch mein Geist zurücke
ans Grab und an den Glockenschlag,
da man mich wird zur Ruh begleiten
auf daß ich klüglich sterben mag.

Richtig:
Gedenke doch mein Geist beizeiten
ans Grab und an den Glockenschlag,
da man mich wird zur Ruh begleiten
auf daß ich klüglich sterben mag.

Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“

In der Partitur steht Nominativ Jesus statt richtig Genitiv Jesu.

 

Falsch:
„Ich stehe fertig und bereit,
das Erbe meiner Seligkeit
mit Sehnen und Verlangen
von Jesus Händen zu empfangen.“

Richtig:
„Ich stehe fertig und bereit,
das Erbe meiner Seligkeit
mit Sehnen und Verlangen
von Jesu Händen zu empfangen.“

Kantate  „Ihr Tore/Pforten zu Zion“

Diese schöne Kantate ist nicht nur verstümmelt überliefert, Bach selbst war sich über den Text des Eingangschores nicht ganz sicher und schreibt „Pforten“ und „Tore“ willkürlich durcheinander. Ich plädiere für „Tore“, es klingt besser und im AT ist häufig von den „Toren Jerusalems“ die Rede, so bei Nehemia 13,19: „Und da es in den Toren zu Jerusalem dunkel ward vor dem Sabbat, hieß ich die Türen zuschließen und befahl, man sollte sie nicht auftun bis nach dem Sabbat. Und ich bestellte meiner Leute etliche an die Tore, daß man keine Last hereinbrächte am Sabbattage.“

 

Ihr Tore zu Zion,
ihr Wohnungen Jakobs, freuet euch!
Gott ist unsers Herzens Freude,
wir sind Völker seiner Weide,
ewig ist sein Königreich.

 

Kantate  „Jesus schläft, was soll ich hoffen?“

In Satz 3 „Die schäumenden Wellen von Belials Bächen“ schreibt Bach falsch ab Wellen statt Felsen. Dieser Fehler wird von fast allen Ausgaben und Interpreten reproduziert.

 

Falsch:
Die schäumenden Wellen von Belials Bächen
verdoppeln die Wut.
Ein Christ soll zwar wie Wellen stehn,
wenn Trübsalswinde um ihn gehn,
doch suchet die stürmende Flut
die Kräfte des Glaubens zu schwächen.

Richtig:
Die schäumenden Wellen von Belials Bächen
verdoppeln die Wut.
Ein Christ soll zwar wie Felsen stehn,
wenn Trübsalswinde um ihn gehn,
doch suchet die stürmende Flut
die Kräfte des Glaubens zu schwächen.

Kantate  „Mein liebster Jesus ist verloren“

Die erste Zeile des Schlußchorals heißt bei Bach „Meinen Jesum laß ich nicht“, obwohl sie nach Originaltext und Reimlogik heißen muß „Jesum laß ich nicht von mir“:

 

Falsch:
Meinen Jesum laß ich nicht
,
geh' ihm ewig an der Seiten.
Christus läßt mich für und für
zu den Lebensbächlein leiten.
Selig, wer mit mir so spricht:
Meinen Jesum laß ich nicht.

Richtig:
Jesum laß ich nicht von mir,
geh ihm ewig an der Seiten.
Christus läßt mich für und für
zu dem Lebensbächlein leiten.
Selig, wer mit mir so spricht:
Meinen Jesum laß ich nicht.

Kantate  „Nun komm, der Heiden Heiland“

Die beiden Kantaten „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Bach basieren auf Luthers Übersetzung des ambrosianischen Hymnus „Veni redemptor gentium“. Luther übersetzte den Hymnus (Veni redemptor gentium, ostende partum virginis, miretur omne saeculum, talis decet partus Deo.) richtig des sich wunder’, bei Bach, und in den meisten Gesangbüchern seither fälschlich wundert.

 

Version Bach:
Nun komm, der Heiden Heiland,
Der Jungfrauen Kind erkannt,
Des sich wundert alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

Version Luther
Nun komm, der Heiden Heiland,
der Jungfrauen Kind erkannt,
des sich wunder’ alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

Kantate  „Tritt auf die Glaubensbahn“, Satz 3

 

Der Heiland ist gesetzt
in Israel zum Fall und Auferstehen.
Der edle Stein ist sonder Schuld,
wenn sich die böse Welt so hart an ihm verletzt,
ja, über ihn zur Höllen fällt,
weil sie boshaftig an ihn rennet
und Gottes Huld
und Gnade nicht erkennet!
Doch selig ist
ein auserwählter Christ,
der seinen Glaubensgrund auf diesen Eckstein gründet
weil er dadurch Heil und Erlösung findet.

Bei Bach steht leget statt gründet. Schon aus dem Reim geht hervor, daß leget falsch sein muß. Bach dachte an 1. Korinter 3, 11 (Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.) Dieser Fehler wird leider seit 150 Jahren von allen wiederholt!

Kantate „Was willst du dich betrüben“

In Satz 5, einer Baßarie, korrumpiert Bach das Versmaß. Statt „Das kann niemand verhindern“ vertont Bach erstaunlicherweise „Das kann niemand hindern.“

Kantate „Wer dank opfert, der preiset mich“

Luther scheibt in seiner Bibelübersetzung da ist der Weg, Bach schreibt ab das ist der Weg. Hier könnten Bach auch klangliche Erwägungen gelenkt haben.

 

Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.

Johannespassion

 

 

In Satz 22, dem Choral "Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn" heißt es manchmal weiter " ... ist uns die Freiheit kommen". Und obwohl Christus zweifellos die Freiheit gebracht hat, ist dies falsch. Richtig heißt es bei Bach [und in der Originalvorlage] "... muß uns die Freiheit kommen."

Weihnachtsoratorium

Im Weihnachtsoratorium gibt es eine Fülle von Widersprüchen im Text zwischen Stimmen, Partitur und Textdruck. Wir führen hier nur die schwerwiegenden auf, die man bei einer Aufführung auch korrigieren sollte. Im Kritischen Bericht der Neuen Bachausgabe ab S. 192 findet sich erheblich mehr, teils werden die Widersprüche diskutiert.

 

Teil 1

In der Baß-Arie muß es heißen "Der die ganze Welt gemacht" und nicht "Der die ganze Welt erhält". Dies geht aus dem Originaldruck und aus dem notwenigen Reim Pracht - gemacht hervor.

Teil 3

Im Schlußchoral des Dritten Teils, Nr. 33 „Seid froh dieweil“ wird seit eh und je und 1.000fach jedes Jahr gesungen:

Seid froh dieweil,
daß euer Heil
ist hie ein Gott und auch ein Mensch geboren.

Dies ist jedoch, wie eigentlich leicht erkannt werden kann, falsch. Ein Blick in die Gesangbücher und auch in den originalen Textdruck des Weihnachtsoratoriums von 1734 zeigt, daß es natürlich richtig heißen muß:

Seid froh dieweil,
nun euer Heil
ist hie ein Gott und auch ein Mensch geboren.

Die Aufeinanderfolge der beiden Konjunktionen „dieweil“ und „daß“ ergibt überhaupt keinen Sinn. Hier liegt offensichtlich ein Flüchtigkeitsfehler beim Eintrag in die Partitur vor. Die Herausgeber des Weihnachtsoratoriums in der NBA Walter Blankenburg und Alfred Dürr haben das auch erkannt, hielten sich jedoch, wie letztlich alle Herausgeber, stets auch an die Fehler Bachs, anstatt an Bachs erkennbaren Willen, der ganz gewiß nicht auf Textkorrumpierungen zielte.

Teil 5

Im Schlußchoral des 5. Teils hat sich inzwischen die richtige Fassung (rechts) weitgehend durchgesetzt. "Denselben" bezieht sich auf die Herzensstube (beeser noch wäre wohl "derselben"). "Es" ist die unpersönliche Form (wie "es regnet").

 

Falsch:
Zwar ist solche Herzensstube
wohl kein schöner Fürstensaal,
sondern eine finstre Grube,
doch sobald dein Gnadenstrahl
in dieselben nur wird blinken,
wird sie voller Sonnen dünken.

Richtig:
Zwar ist solche Herzensstube
wohl kein schöner Fürstensaal,
sondern eine finstre Grube,
doch sobald dein Gnadenstrahl
in denselben nur wird blinken,
wird es voller Sonnen dünken.

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